Diese „Krawallautisten“

„Das sind doch diese Krawallautisten“, sagt der ein oder andere Facharzt oder Therapeut, der die Folgen des autistischen Aktivismus an den eigenen Projekten zu spüren bekam. An Eltern und Kolleg*innen gibt er den wohlmeinend klingenden Rat weiter, sich von „denen“ fernzuhalten. Manch einer nennt uns noch etwas phantasievoller „Internetautisten“, was ich sehr lustig finde. Begreift man das Internet als Möglichkeit der Barrierefreiheit, ist das in etwa so, als nenne man Gehbehinderte „Rollstuhlmenschen“ – also ziemlich albern. Weiterlesen

Vaxxed – die Zelluloid gewordene Stigmatisierung

 

Fast konnte man hoffen, Andrew Wakefield sei nach den Skandalen um seine gefälschten Impfstudie von der Bildfläche verschwunden. Im vergangenen Jahr wurde man leider eines besseren belehrt. Als Drehbuchautor und Regisseur wagte er seine Rückkehr auf die Bühne – und das sogar im Kinoformat. Mit seinem Film Vaxxed – die schockierende Wahrheit möchte er erneut die inzwischen mehrfach widerlegte These der autismusverursachenden MMR-Impfung unter das Volk bringen. Aufgrund seiner gefälschten Studie, mit der er vergeblich die These zu untermauern versuchte, wurde ihm die Approbation entzogen.
Im 90 Minüter Vaxxed – die schockierende Wahrheit inszeniert er sich als Opfer einer weltweiten Pharma-Verschwörung, die das Ziel verfolgt, der Menschheit gesundheitlich zu schaden, um so noch mehr Geld verdienen zu können. Mit Robert DeNiro fand diese bizarre Verschwörungstheorie einen prominenten Unterstützer, trotzdem wurde sein Film nach Protesten vom renommierten Tribeca Film Festival abgelehnt. Auch in London und Brüssel scheiterte er. Nun hat diese unglückseelige Rolle Zelluloid einen deutschen Verleih gefunden: Die Busch Media Group GmbH und Co. KG. Weiterlesen

Die Selbstvertretung im Zusammenspiel mit Fachkräften

Vor ein paar Monaten habe ich schon einmal darüber geschrieben, wie schwer es ist, sich für die autistische Selbstvertretung stark zu machen. Inzwischen hat sich die Situation noch verschärft. Seit die Aktion Mensch entschieden hat, ihre Förderung für ABA-Projekte auslaufen zu lassen und keine neuen Projekte zu fördern, die ABA beinhalten, haben sich die behindertenfeindlichen Angriffe, vor allem von Fachkräften, gefühlt vervielfacht.

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Problem Arztbesuch – Ein Mitmachtext


Meine Texte versehe ich gerne mit Ideen oder Lösungen. Ich ende, wenn möglich, mit einem Rat oder zumindest mit ein paar positiven Worten. Heute kann ich das nicht, denn hierzu habe ich keine Lösung. Nur ein wirklich großes Problem. Und die leise Hoffnung, zusammen mit euch, meinen Leser*innen, vielleicht zu einer Teillösung zu kommen. Das hier ist also ein Mitmachtext. Ergänzt ihn bitte um eure konstruktiven Ideen, indem ihr die Kommentarfunktion nutzt.

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Aktion Mensch stoppt Förderung von ABA

Nach beinahe zwei Jahren Aktivismus mit tausenden Teilnehmer*innen und gescheiterten Dialogen kam es heute erneut zu einem Gespräch mit Aleksander Knauerhase als Vertreter der kritisierenden Autist*innen und Armin von Buttlar von Aktion Mensch. Im Anschluss daran hat die Aktion Mensch versprochen, die Förderung von ABA-Projekten einzustellen.
Das ist nicht nur ein wichtiger Schritt hin zur einer humaneren, gleichberechtigten Behandlung von Autist*innen, sondern hat noch einen weiteren wichtigen Aspekt:

Autist*innen, denen zu oft schon die Stimme genommen wurde, die gelernt haben, dass man ihnen nicht zuhört, erleben nun, dass ihre Meinung Gewicht hat. Ihre Proteste zeigten erste Ergebnisse. Neben der Signalwirkung für weitere Schritte im ABA-Protest ist die Entscheidung von Aktion Mensch daher vor allem auch sehr relevanter, symbolischer Natur für Autist*innen. Protest und Engagement lohnt sich.

Danke an alle Unterstützer*innen! Ihr seid großartig!

Weitere Infos zu ABA im AutismusFAQ-Dossier Was ist ABA?

Neues Projekt: AutismusFAQ

Heute wird ein Mann als Präsident der USA vereidigt, dessen Position zu Autismus mehr als zweifelhaft ist:

Erste Treffen Trumps mit dem impfkritischen Wakefield hat es bereits gegeben. Wakefield ist für die gefälschte Studie verantwortlich, mit der er er den Nachweis erbringen wollte,  Impfungen seien Autismusauslösend (mehr dazu hier).
Wir wissen weder, was das für die nationale und internationale Gesundheit bedeuten wird, noch, wie sich Aufklärung und Behandlung autistischer Menschen in den USA und bei uns entwickeln wird. Uns bleibt nichts weiter, als auf Fakten und Forschung zu beharren und diese so einfach wie möglich zugänglich zu machen.

Das ist der Ansatz von AutismusFAQ.
Über die Suchmaske der minimalistisch gehaltenen Seite sind Fragestellungen zum Thema Autismus möglich, die mit einem kurzen, leicht verstädnlichen Text beantwortet werden, der gut auf Twitter und Facebook geteilt werden kann. Zusätzlich verfügen alle Artikel über eine lange  Textversion, die mit weiterführenden Links versehen ist. Die Seite wird von Autistinnen und Autisten gepflegt und nach und nach mit weiteren Inhalten versorgt.
Probiere es gleich aus!

Hat die GFCF-Diät Einfluss auf Autismus?

Diäten sind die neuen Religionen. In unserem Bedürfnis, schöner, besser, klüger und gesünder zu werden, überschreiten wir hin und wieder die Grenzen der Vernunft und der Wissenschaft. Dieser Drang nach Selbstoptimierung durchzieht die ganze Gesellschaft; wer noch nie eine Diät gemacht hat, der werfe das erste Puddingteilchen. Bedenklich wird es allerdings, wenn man Diäten mit Heilsversprechen verknüpft und an denen anwendet, die (noch) nicht darüber entscheiden können, was sie essen: an Schutzbefohlenen, also Kindern.

Eine dieser Diäten, die immer wieder mit unseriösen Heilsversprechen auffällt und sich wachsender Beliebtheit bei Eltern autistischer Kinder erfreut, ist die GFCF-Diät.
GFCF meint glutenfrei (Gluten = Klebereiweiß, eine Proteinmischung die in einigen üblichen Getreidearten vorkommt) und caseinfrei (Casein = Milcheiweiß). Bei dieser Ernährungsform wird auf glutenhaltiges Getreide (Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel) sowie Milch und Milchprodukte verzichtet.
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Hilfe, Selbstvertretung!

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„Autismus hat viele Gesichter“, sagen Menschen und denken „All diese Gesichter sehen aus wie meines/das meines Kindes. Was dem nicht entspricht, kann also kein Autismus sein“.

Wir sprechen inzwischen vom Autismusspektrum. Ohne den Zusatz „Störung“, ohne die auf Außensicht beruhende, diskriminierende Einteilung „leicht“ und „schwer“. Ein weites, abstraktes Spektrum von Autist*innen mit mehr oder weniger großem Hilfebedarf, die eines gemeinsam haben: Eine eingeschränkte Teilhabe am Leben und eine Behinderung, die sie im Alltag beeinträchtigt. Manche so stark, dass sie permanente Betreuung brauchen, andere so, dass sie nur bei Bedarf Hilfe in Anspruch nehmen.
Ein Fortschritt für Autist*innen, mag man meinen. Ein wichtiger Schritt weg vom Tragödienmodell Behinderung, hin zum selbstbewussten Leben mit dem Anderssein. Wenn man aber genauer hinsieht, ist das nur verbaler Zuckerguss auf einem völlig verkohlten Kuchen. Weiterlesen

ABA stoppen – Ein erster Schritt.

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Die Belange von Autist*innen stehen in der Regel nicht auf der politischen Agenda – weder in Sachen Bildung, noch mit Themen, die das Schwerbehindertenrecht betreffen. Und das, obwohl sich selbst der UN-Generalsekretär bereits zu unserer Lage geäußert hat. Wir fühlen uns dadurch nur noch mehr als Personen, deren Rechte nicht anerkannt und deren Bedürfnisse ignoriert werden. So wie im bereits seit Jahren geführten Kampf gegen die Therapiemethode ABA, die Elemente aus Folter und Missbrauch enthält und trotzdem als Nummer Eins-Therapiemethode für Autist*innen gilt. Allein die Tatsache, dass eine derart schädigende, traumatisierende Methode im Jahre 2016 noch angewandt werden darf, sollte uns schon erschrecken. Umso schlimmer ist es, dass sie von Organisationen wie Aktion Mensch – die sich laut eigenen Angaben für Menschen mit Behinderung einsetzen – mit sechsstelligen Summen gefördert wird.
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Autistische Aktivisten – Nicht ohne uns über uns!

 

Autistische AktivistInnen – das klingt doch nach einem perfekten Widerspruch. Wie kann eine Minderheit von Menschen mit einer Behinderung, zu deren Störungsbild kommunikative Einschränkungen, Probleme im Sozialkontakt und oft auch eine mehr oder weniger ausgeprägte Konfliktunfähigkeit gehören, Aktivismus betreiben wollen?

Der Kernpunkt des Aktivismus ist jedoch nicht das Wollen, sondern die erdrückend große Notwendigkeit, für das entsprechende Thema einzustehen. Aktivismus ist für jede Minderheit deshalb so wichtig, weil die privilegierte Mehrheit kein Interesse daran hat, bestehende Strukturen zugunsten von Minderheiten aufzuweichen – sei es absichtlich oder aus Ignoranz. Um Veränderungen anzustoßen, braucht es Druck, eine kritische Masse, und Aktivismus hilft, diese kritische Masse zu erreichen. Wir AutistInnen müssen daher laut sein und anprangern, müssen unbequem sein, um gehört zu werden.
Es ist hart, denn Aktivismus heißt in den seltensten Fällen, Anerkennung für seine Arbeit zu bekommen. Aktivismus heißt vor allem, Feindbild zu sein, weil man den Finger in Wunden legt und Missstände thematisiert.
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