VAXXED in Wien?

 

Liebe Leser*innen,

warum ich den Autist*innen stigmatisierenden und diskriminierenden Film VAXXED, der seit April in Europa gezeigt wird, für gefährlich halte, habe ich in diesem Text bereits ausführlich dargelegt. Auch bei Vice Austria erklärte ich das Problem.

In Deutschland regte sich bereits zum Teil erfolgreicher Widerstand gegen Kinos, die ihn – oft sogar mit Anwesenheit Wakefields – völlig unkritisch zeigten. Selbst Autismus Deutschland nahm inzwischen Stellung zu VAXXED und den nachweislich falschen Theorien von Wakefield. Über diesen Widerstand bin ich sehr froh und dankbar.

Nun soll VAXXED am 12. Mai auch im Millenium City Kino in Wien vorgeführt werden. Weiterlesen

Lebensqualität im Spektrum – dürfen wir glücklich sein?

 

Eine Angst geht um unter Autist*innen – die Angst vor einem guten Leben, vor Lebensqualität und Glück. Das klingt absurd, ist aber tatsächlich die Folge eines diskriminierenden Systems, in dem Menschen mit Behinderung noch immer leben. Lange Zeit habe ich mich gewundert, wie sehr viele autistische Menschen ihr Leiden internalisiert haben, konnte nicht verstehen, warum sie sich nicht trauen, über positive Erlebnisse und Entwicklungen zu sprechen. Der Grund ist ein Tragischer.
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“Es gibt keinen Ort, an dem nicht Gewalt an Frauen mit Behinderungen ausgeübt wird.”


In diesem Jahr beschloss Russland eine fatale Gesetzesänderung: Häusliche Gewalt gegen Frauen ist fortan ein Mal im Jahr straffrei. Statt wie vorher mit einer Gefängnisstrafe wird der prügelnde Ehemann seit der Änderung höchstens mit einer Geldstrafe von 500€ belegt. Was wie eine geschmacklose Satire klingt, ist blutiger Ernst. Initiiert wurde dies von der 51jährigen Russin Jelena Misulina, die damit klassische russische Familienwerte schützen will.
Dass die Weltgesundheitsorganisation WHO Gewalt gegen Frauen als eines der größten Gesundheitsrisiken von Frauen weltweit benennt, stellt man nach dieser Nachricht nicht in Frage. Auch außerhalb Russlands ergeht es Frauen nicht besser. Jede dritte Frau in Europa hat als Erwachsene körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren.

Wie sind Frauen mit Behinderung davon betroffen?

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Die Selbstvertretung im Zusammenspiel mit Fachkräften

Vor ein paar Monaten habe ich schon einmal darüber geschrieben, wie schwer es ist, sich für die autistische Selbstvertretung stark zu machen. Inzwischen hat sich die Situation noch verschärft. Seit die Aktion Mensch entschieden hat, ihre Förderung für ABA-Projekte auslaufen zu lassen und keine neuen Projekte zu fördern, die ABA beinhalten, haben sich die behindertenfeindlichen Angriffe, vor allem von Fachkräften, gefühlt vervielfacht.

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Zirkelschluss

Wenn sich Menschen mit Behinderung dagegen wehren, respektlos und diskriminierend behandelt zu werden und aufgrund dieses unbequemen Aufbegehrens respektlos und diskriminierend behandelt werden, ist es doch nur die Verdeutlichung des Umstandes, dass Menschen mit Behinderung nicht als gleichwertig gesehen werden.
Menschen ohne Behinderung werden mit ihrer Kritik an Menschen mit Behinderung sehr viel ernster genommen als Menschen mit Behinderung, die Kritik an Menschen ohne Behinderung üben. Jenen wird von vornherein die Augenhöhe verweigert.

 

Hilfe, Selbstvertretung!

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„Autismus hat viele Gesichter“, sagen Menschen und denken „All diese Gesichter sehen aus wie meines/das meines Kindes. Was dem nicht entspricht, kann also kein Autismus sein“.

Wir sprechen inzwischen vom Autismusspektrum. Ohne den Zusatz „Störung“, ohne die auf Außensicht beruhende, diskriminierende Einteilung „leicht“ und „schwer“. Ein weites, abstraktes Spektrum von Autist*innen mit mehr oder weniger großem Hilfebedarf, die eines gemeinsam haben: Eine eingeschränkte Teilhabe am Leben und eine Behinderung, die sie im Alltag beeinträchtigt. Manche so stark, dass sie permanente Betreuung brauchen, andere so, dass sie nur bei Bedarf Hilfe in Anspruch nehmen.
Ein Fortschritt für Autist*innen, mag man meinen. Ein wichtiger Schritt weg vom Tragödienmodell Behinderung, hin zum selbstbewussten Leben mit dem Anderssein. Wenn man aber genauer hinsieht, ist das nur verbaler Zuckerguss auf einem völlig verkohlten Kuchen. Weiterlesen

Autismus erleben – ein Spaß für die ganze Familie?

An diesem Wochenende fand in Augsburg der „Schwabentag“ statt, eine Veranstaltung, bei der Organisationen Gelegenheit hatten, über Behinderung zu informieren. Bereits im März sprach ich im Interview mit dem Stern über die für diesen Tag angekündigte Autismus-Erlebnis-Kabine des Caritasverbands für die Diözese Augsburg. Ich fand dieses Konzept bereits im Vorfeld bedenklich und äußerte mich entsprechend. Die daraufhin aufgenommene Kommunikation mit dem Caritasverband blieb ergebnislos: Ihrer Ankündigung, mit uns zusammenzuarbeiten, folgten keine Taten.
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Was tun, wenn Schüler Autismus haben?




Mit einem unentdeckten Autismus zur Schule zu gehen ist furchtbar, davon weiß nahezu jeder Mensch mit Autismus zu berichten. Mit einem diagnostizierten Autismus zur Schule zu gehen, scheint inzwischen aber die schlimmere Variante zu sein. Beinahe täglich lese ich von frustrierten Eltern autistischer Kinder und Kinder mit anderer Behinderung – ein aktueller Stern-Artikel zeichnete ein besonders düsteres, wie reales Bild – denen Inkompetenz vorgeworfen wird, weil sie auf die Bedürfnisse ihres Kindes hören. Eltern, die bevormundet werden und denen ein den häufig völlig unterschätzten Fähigkeiten des Kindes angepasster Bildungsweg verwehrt wird. Ihre teils jahrelangen Kämpfe bleiben nicht selten ohne Erfolg. Weiterlesen