Der Masturbationsautismus im Feuilleton.

Heute Morgen machte man mich auf einen Artikel im Feuilleton der FAZ aufmerksam, in dessen Titel die Formulierung „Nur ein neuer Autismus kann uns retten“ verwendet wurde. 

Ich hielt das für einen der üblichen Medien-Fehltritte und twitterte noch ganz unaufgeregt darüber.

Einige Tassen Kaffee später fühlte ich mich in der Lage, den kompletten Artikel zu recherchieren und sah mich nach dessen Lektüre zwar nicht kafkaesk in einen Käfer verwandelt, wohl aber in geballte Fassungslosigkeit.
Wenn ich Derartiges lese, werde ich sehr wütend. Die Wut weicht aber bald und ich fühle mich einfach nur noch resigniert, müde und unfassbar hilflos.

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MMS – das bedenkliche „Wundermittel“

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte stufte heute zwei „Miracle Mineral Supplement“-Produkte, kurz MMS genannt, als zulassungspflichtig und bedenklich ein (Pressemitteilung). Das bedeutet, sie dürfen nicht mehr verkauft werden, bis ein Zulassungsverfahren Unbedenklichkeit und Wirksamkeit bestätigt.

MMS ist ein Gemisch aus Natriumchlorit und Zitronensäure. Bei der Kombination beider Komponenten entsteht Chlordioxid, ein giftiges Gas, das unter anderem als Bleichmittel von Papier und zur Desinfektion eingesetzt wird. Gelangt dieses Gemisch in den Körper, kommt es zu Verätzungen, Erbrechen, Durchfall, starken Schmerzen und Atemproblemen. 
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Robo goes Wired

wiredSchlägt man die aktuelle Ausgabe der Wired (3/15) auf, stößt man zu allererst auf den Artikel „Mein brennendes Emoticon – Warum Autisten lieber digital kommunizieren„, in dem der Autor mir feinfühlig ein paar Details zu meinen Kommunikationsgewohnheiten und meiner autistischen Wahrnehmung entlockte. Er berichtet ebenfalls über die Ergebnisse einer Studie zweier holländischer Universitäten zu diesem Thema und reißt kurz die berufliche Situation von Autisten an. Meine Leseempfehlung!

„Können wir uns Autismus leisten?“ – 
Ein Bericht von der „Anhörung zum Thema Autismus“ der CDU-Landtagsfraktion

Gelegentlich besuche ich Veranstaltungen rund um das Thema Autismus und berichte darüber.
Diesen Artikel der bereits im Oktober abgehaltenen Anhörung verfasste ich ursprünglich für N#mmer, aus Platzgründen schaffte er es aber leider nicht ins Magazin (Dafür aber zwei andere Beiträge von mir, man darf gespannt sein). Leser, die interessiert an dem Ablauf einer solchen Anhörung sind, haben nun hier die Gelegenheit, einen Eindruck zu gewinnen.
Der Text erscheint ebenfalls als Gastbeitrag auf dem Realitätsfilter.

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„Sozialer Autismus“ und andere Unsinnigkeiten.

Liebe Medien,

ich bin müde.
Nicht die Art müde, bei der man schlafen möchte, nein. Ich bin es leid, mich immer wieder wehren zu müssen.
Derzeit vergeht keine Woche, in der der Begriff Autismus nicht als Synonym für unangebrachtes oder unerwünschtes Verhalten genutzt wird und ich weiß nicht, wie so etwas überhaupt passieren kann. Würden Sie etwa einen Menschen, der vor Angst gelähmt ist, als Spastiker bezeichnen? Oder jemanden, der ausführlich fluchte, Tourette unterstellen? Nein? Sicher? Warum aber nutzen Sie dann die Diagnose Autismus auf ebendiese Weise? Autismus ist eine Entwicklungsstörung, eine emotionale Behinderung. Nicht mehr. Nicht weniger.

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Liebe Die Welt-Redaktion,

ich begrüße es, wenn Medien über Autismus berichten.
Zum einen bin ich stets an neuen Forschungsergebnissen interessiert, zum anderen hoffe ich, dass mir gut recherchierte Berichterstattung hilft, mich besser in meine so gar nicht autistengerechte Umwelt zu integrieren. Ja, das möchte ich gern. Mich integrieren. Auch, oder gerade weil das Leben oft nicht einfach für mich ist. Und Wissen hilft uns doch, zu verstehen, richtig?
Tauchen dann aber Artikel auf, die Autisten als meist geniale Sonderlinge bezeichnen, als Leidende, Kranke, als Ausgegrenzte, dann ist das, um ehrlich zu sein, ein wenig kontraproduktiv. Denn wissen Sie, die meiste Zeit über leide ich nämlich gar nicht. Es geht mir sogar ziemlich gut. Ich bin auch kein Genie und hatte noch nie das Bedürfnis, ein Telefonbuch auswendig zu lernen. Ich kann keine Landkarten zeichnen und habe auch keine – Wie nennen Sie es? – unheimlich anmutende Merkfähigkeit. Ich bin kein Savant. Das sind die Wenigsten.
Nein, ich bin einfach nur Autist, wie viele andere auch. Mit Stärken und Schwächen.
Ich möchte nicht, dass man mir Medikamente geben wird, damit ich annähernd so funktioniere, wie man funktionieren soll. Ich hoffe nicht auf Wirkstoffe, die mich aus meiner „eigenen Welt“ befreien, es ist sogar äußerst beängstigend, dass man derart in die Arbeitsweise des Gehirns eingreifen, ja das ganze Sein beeinflussen will. Ich möchte einfach nur als Mensch akzeptiert werden. Mit meinem Autismus.
Und als Mensch mit Autismus möchte ich Ihnen einen wichtigen Rat geben: Wenn Sie erfahren möchten, wie die Welt eines Autisten aussieht, fragen Sie doch einfach einen Autisten. Mit Sicherheit wird man Ihnen freundlich und ausführlich antworten.
Vielen Dank.