„Schüchtern. Kreativ. Autist.“

Mehr sagt mein Tinder-Profil – aus dem Bekanntenkreis bekam ich den Rat, die Partnersuche auf diesem Wege zu versuchen – nicht über mich und doch ist das alles, was man wissen sollte, will man mich kennen lernen.
Es mag mutig erscheinen, das Thema Autismus bei der Partnersuche gleich von Anfang an zur Sprache zu bringen, doch wann anders wäre es denn angebracht? Eines Morgens am Frühstückstisch vielleicht, wenn man dem anderen die Butter reicht und sagt: „Liebling, möchtest Du noch Kaffe? Ich bin übrigens Autist.“ oder „Also auf die Party von Deinen Freunden würde ich lieber verzichten, weißt Du, Autisten sind da eher zurückhaltend. Ach. Habe ich Dir das noch nicht erzählt?“
Mit dieser frühzeitigen Information filtert man im Idealfall gleich die aus, die sich nicht damit auseinandersetzen möchten oder kein Verständnis aufbringen wollen. Weiterlesen

Schwimmübungen im Haifischbecken.

Heute machte man mich auf eine kleine Diskussion aufmerksam, die sich um die erste Ausgabe des N#mmer-Magazins dreht. Von „Lifestyle-Autismus“ ist da die Rede, von der „autistisch-digitalen Boheme“ mit schillernden Lebensläufen und davon, ein falsches Bild von Autismus zu zeichnen. Das alles ließ mich verbittert auflachen.

Sicher ist es nicht nötig, dass ich mich dazu äußere und es liegt mir fern, mich für irgend etwas zu rechtfertigen. Doch ich mache mir als Autorin, die unter anderem für N#mmer schreibt, natürlich meine Gedanken dazu, zumal man mich auch schon direkt darauf ansprach, dass meine Darstellung vom Autismusspektrum nicht „korrekt“ sei und ich zu positiv berichte. Und die regelmäßig aufkommenden Diskussionen zwischen denen, die das von Autismus verursachte persönliche Leid in den Vordergrund stellen und denen, die sich um eine positive Darstellung ihres Autismus bemühen, entgehen mir natürlich auch nicht. Das alte Lied von Leid und Pride. Weiterlesen