„Können wir uns Autismus leisten?“ – 
Ein Bericht von der „Anhörung zum Thema Autismus“ der CDU-Landtagsfraktion

Gelegentlich besuche ich Veranstaltungen rund um das Thema Autismus und berichte darüber.
Diesen Artikel der bereits im Oktober abgehaltenen Anhörung verfasste ich ursprünglich für N#mmer, aus Platzgründen schaffte er es aber leider nicht ins Magazin (Dafür aber zwei andere Beiträge von mir, man darf gespannt sein). Leser, die interessiert an dem Ablauf einer solchen Anhörung sind, haben nun hier die Gelegenheit, einen Eindruck zu gewinnen.
Der Text erscheint ebenfalls als Gastbeitrag auf dem Realitätsfilter.

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„Sozialer Autismus“ und andere Unsinnigkeiten.

Liebe Medien,

ich bin müde.
Nicht die Art müde, bei der man schlafen möchte, nein. Ich bin es leid, mich immer wieder wehren zu müssen.
Derzeit vergeht keine Woche, in der der Begriff Autismus nicht als Synonym für unangebrachtes oder unerwünschtes Verhalten genutzt wird und ich weiß nicht, wie so etwas überhaupt passieren kann. Würden Sie etwa einen Menschen, der vor Angst gelähmt ist, als Spastiker bezeichnen? Oder jemanden, der ausführlich fluchte, Tourette unterstellen? Nein? Sicher? Warum aber nutzen Sie dann die Diagnose Autismus auf ebendiese Weise? Autismus ist eine Entwicklungsstörung, eine emotionale Behinderung. Nicht mehr. Nicht weniger.

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Liebe Die Welt-Redaktion,

ich begrüße es, wenn Medien über Autismus berichten.
Zum einen bin ich stets an neuen Forschungsergebnissen interessiert, zum anderen hoffe ich, dass mir gut recherchierte Berichterstattung hilft, mich besser in meine so gar nicht autistengerechte Umwelt zu integrieren. Ja, das möchte ich gern. Mich integrieren. Auch, oder gerade weil das Leben oft nicht einfach für mich ist. Und Wissen hilft uns doch, zu verstehen, richtig?
Tauchen dann aber Artikel auf, die Autisten als meist geniale Sonderlinge bezeichnen, als Leidende, Kranke, als Ausgegrenzte, dann ist das, um ehrlich zu sein, ein wenig kontraproduktiv. Denn wissen Sie, die meiste Zeit über leide ich nämlich gar nicht. Es geht mir sogar ziemlich gut. Ich bin auch kein Genie und hatte noch nie das Bedürfnis, ein Telefonbuch auswendig zu lernen. Ich kann keine Landkarten zeichnen und habe auch keine – Wie nennen Sie es? – unheimlich anmutende Merkfähigkeit. Ich bin kein Savant. Das sind die Wenigsten.
Nein, ich bin einfach nur Autist, wie viele andere auch. Mit Stärken und Schwächen.
Ich möchte nicht, dass man mir Medikamente geben wird, damit ich annähernd so funktioniere, wie man funktionieren soll. Ich hoffe nicht auf Wirkstoffe, die mich aus meiner „eigenen Welt“ befreien, es ist sogar äußerst beängstigend, dass man derart in die Arbeitsweise des Gehirns eingreifen, ja das ganze Sein beeinflussen will. Ich möchte einfach nur als Mensch akzeptiert werden. Mit meinem Autismus.
Und als Mensch mit Autismus möchte ich Ihnen einen wichtigen Rat geben: Wenn Sie erfahren möchten, wie die Welt eines Autisten aussieht, fragen Sie doch einfach einen Autisten. Mit Sicherheit wird man Ihnen freundlich und ausführlich antworten.
Vielen Dank.