Rezension: Umgang mit autistischen Menschen – Ratgeber für Lehrer, Mitschüler und Eltern

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Es gibt zahllose Publikationen voll ethisch fragwürdiger Ratschläge zum Umgang mit autistischen Kindern an pädagogischen Einrichtungen und im Elternhaus. Darum war ich neugierig, aber zugegeben auch voreingenommen, als ich ein Rezensionsexemplar der Broschüre „Umgang mit autistischen Menschen“ des Frischtexte Verlags erhielt.
Es ist mir bewusst, dass es wenig empfehlenswert ist, mit einer negativen Einstellung an einen Text heranzugehen, doch die Masse der defizitär orientierten Veröffentlichungen mit demütigenden, entwürdigenden Vorschlägen zum Umgang mit autistischen Kindern erreicht auch bei mir, dass die Neugier der Furcht weicht. 

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Diagnose Autismus – Was nun?

Gerade für erwachsene Menschen ist der Weg zur Autismusdiagnose steinig und schwer. In der Regel liegen umfangreiche Probleme vor, bevor der Verdacht auf Autismus überhaupt erst entsteht. Daher glaubt man schnell, eine Autismusdiagnose bringt – wird sie denn dann gestellt – im Handumdrehen Erleichterung und Lebensqualität. Weiß man erst, woran es liegt, kommt sicher schnell wieder alles in Ordnung. Doch das ist zu kurz gedacht.
Warum ist gerade die Zeit nach der Diagnose so schwer und wie übersteht man sie am besten?

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Autistischer Affenzirkus

In China haben Forscher autistische Affen gezüchtet, die jetzt geheilt werden sollen. Das ist in jeder Hinsicht der falsche Ansatz, sich dem komplexen Thema Autismus zu nähern.

 

Als AutistIn ist man es beinahe schon gewohnt, medial verhöhnt und gedemütigt zu werden. Nicht nur, dass Autismus ein fancy Schimpfwort für so ziemlich alles ist, was man abwerten möchte. Auch die Berichterstattung über Autismus an sich ist mehr als kritisch zu betrachten. Mal ist es ein bedauerlicher Einzelfall, gelegentlich eine Modeerkrankung, ein andermal eine Epidemie. Es liegt selten im Interesse des Journalismus, eine neurologische Diversität wie Autismus ohne clickbaitgerechte Schlagzeilen und Mitleid erweckende Phrasen darzustellen. So entsteht in der Öffentlichkeit ein Bild, das AutistInnen irgendwo zwischen dem beängstigend hochbegabten Wunderkind mit fragwürdigem Modegeschmack und Sheldon Cooper-artigem Sozialverhalten und dem mutistischen, windeltragenden Pflegefall ansiedelt – je nachdem, welche Darstellung gerade die größere Aufmerksamkeit erzielen könnte. Weiterlesen


Alles Böse ist Autist.

Behinderte auf Basis fehlender oder nur unzureichend vorhandener Fähigkeiten abzuwerten wird als Ableismus bezeichnet. Im Journalismus ist es inzwischen zum üblen Stilmittel geworden, den Begriff des Autismus für alles zu verwenden, das irgendwie negativ belegt werden soll – auf Kosten der Autisten.

 

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Der Masturbationsautismus im Feuilleton.

Heute Morgen machte man mich auf einen Artikel im Feuilleton der FAZ aufmerksam, in dessen Titel die Formulierung „Nur ein neuer Autismus kann uns retten“ verwendet wurde. 

Ich hielt das für einen der üblichen Medien-Fehltritte und twitterte noch ganz unaufgeregt darüber.

Einige Tassen Kaffee später fühlte ich mich in der Lage, den kompletten Artikel zu recherchieren und sah mich nach dessen Lektüre zwar nicht kafkaesk in einen Käfer verwandelt, wohl aber in geballte Fassungslosigkeit.
Wenn ich Derartiges lese, werde ich sehr wütend. Die Wut weicht aber bald und ich fühle mich einfach nur noch resigniert, müde und unfassbar hilflos.

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„Können wir uns Autismus leisten?“ – 
Ein Bericht von der „Anhörung zum Thema Autismus“ der CDU-Landtagsfraktion

Gelegentlich besuche ich Veranstaltungen rund um das Thema Autismus und berichte darüber.
Diesen Artikel der bereits im Oktober abgehaltenen Anhörung verfasste ich ursprünglich für N#mmer, aus Platzgründen schaffte er es aber leider nicht ins Magazin (Dafür aber zwei andere Beiträge von mir, man darf gespannt sein). Leser, die interessiert an dem Ablauf einer solchen Anhörung sind, haben nun hier die Gelegenheit, einen Eindruck zu gewinnen.
Der Text erscheint ebenfalls als Gastbeitrag auf dem Realitätsfilter.

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„Sozialer Autismus“ und andere Unsinnigkeiten.

Liebe Medien,

ich bin müde.
Nicht die Art müde, bei der man schlafen möchte, nein. Ich bin es leid, mich immer wieder wehren zu müssen.
Derzeit vergeht keine Woche, in der der Begriff Autismus nicht als Synonym für unangebrachtes oder unerwünschtes Verhalten genutzt wird und ich weiß nicht, wie so etwas überhaupt passieren kann. Würden Sie etwa einen Menschen, der vor Angst gelähmt ist, als Spastiker bezeichnen? Oder jemanden, der ausführlich fluchte, Tourette unterstellen? Nein? Sicher? Warum aber nutzen Sie dann die Diagnose Autismus auf ebendiese Weise? Autismus ist eine Entwicklungsstörung, eine emotionale Behinderung. Nicht mehr. Nicht weniger.

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