Zirkelschluss

Wenn sich Menschen mit Behinderung dagegen wehren, respektlos und diskriminierend behandelt zu werden und aufgrund dieses unbequemen Aufbegehrens respektlos und diskriminierend behandelt werden, ist es doch nur die Verdeutlichung des Umstandes, dass Menschen mit Behinderung nicht als gleichwertig gesehen werden.
Menschen ohne Behinderung werden mit ihrer Kritik an Menschen mit Behinderung sehr viel ernster genommen als Menschen mit Behinderung, die Kritik an Menschen ohne Behinderung üben. Jenen wird von vornherein die Augenhöhe verweigert.

 

“Es tut mir leid, dass ich Sie schon wieder belästige”

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“Es tut mir leid, dass ich Sie schon wieder belästige” ist der erste Satz, den ich nach der Begrüßung am Telefon sage und das, was daraufhin in meinem Kopf passiert, ist neu. Ich meine nicht den Vorgang an sich, denken kann ich schließlich schon eine Weile, auch, wenn es dabei durchaus qualitative Schwankungen zu verzeichnen gibt. Auch nicht das Telefonieren, manchmal muss das einfach sein, egal, wie sehr man es hasst. Unerwartet ist eher das Ergebnis, dieses unangenehme Räuspern meiner inneren Stimme. Die innere Stimme, ihr wisst schon, dieses Ding, das sich immer in den unpassendsten Momenten zu Wort meldet und kräftig herummoralisiert.
Halt, sagt sie, in einer Lautstärke, die anderenorts als unangemessen gelten würde. Halt mal. Was genau tust du hier eigentlich?
“Ich bin nur höflich”, antworte ich meiner inneren Stimme. “Und jetzt Ruhe. Ich muss zu Ende telefonieren.”
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Die Sache mit dem Feminismus.

Du kommst doch aus der DDR, höre ich immer wieder, Feminismus wurde Dir doch in die Wiege gelegt. Ich seufze dann nur. Eben aufgrund meiner Herkunft fiel es mir lange Zeit schwer, die Notwendigkeit des Feminismus im eigenen Leben zu erkennen. Ja, meine ersten Lebensjahre verbrachte ich in der ehemaligen DDR. Meine Mutter war während dieser Zeit berufstätig. Natürlich. Und sie verdiente deutlich mehr als mein Vater. Ungewöhnlich war das nicht und die flächendeckend angebotene Kinderbetreuung machte eine Vollzeitstelle trotz Familie für alle Frauen möglich. Die wirtschaftliche Lage machte sie zudem für die allermeisten auch notwendig. Es war Teil der sozialistischen Ideologie, die Gleichberechtigung zu fördern und zu betonen. Wir hielten das für feministisch. Dass in dieser Struktur jedoch die Arbeitsleistung des Mannes der Maßstab war und die Frau keine Wahl bei der Gestaltung ihres Lebens hatte, sahen nur wenige. Auch die Hausarbeit war, genau wie die Versorgung der Kinder, weiterhin Frauensache. Weiterlesen

Möglichkeiten.

Vielleicht sollte ich nach Berlin ziehen, ganz viele Freunde haben, mit denen ich an Orten Zeit verbringe, die erst nächstes Jahr hip werden, frühestens, um sagen zu können, wie öde das ist, denn dort waren wir ja schon lange vorher und unzählige One Night Stands haben, die mich völlig kalt lassen, denn Liebe ist doch nur ein banaler hormoneller Vorgang, da stehe ich doch drüber, in einer zu kleinen Wohnung wohnen, mit Fenstern zum Hinterhof, an denen die Farbe großflächig abbröckelt und dann schreibe ich wütende Bücher über junge Erwachsene in Berlin und ihre Sex- und Drogeneskapaden, die eigentlich meine sind, aber darüber schweige ich geheimnisvoll, das wirkt schließlich interessanter. Weiterlesen

Briefe an einen zehnjährigen Autisten.

Briefe an einen zehnjährigen Autisten.

Ein zehnjähriger Autist findet seinen Autismus peinlich und sieht sich selbst als defekt.
Alle Autisten waren mal zehnjährige Autisten und das Aufwachsen mit Autismus war für die meisten von uns alles andere als leicht.

Daher rufen wir alle Autisten (egal welchen Alters) dazu auf, einen Brief an den zehnjährigen Autisten zu schreiben um ihm dabei zu helfen, Autismus als Teil von sich anzunehmen und herauszufinden, wie großartig es auch sein kann anders zu sein.

Erzählt ihm, wie ihr als Zehnjährige® wart, was gut war und was doof, und wie es weiterging. Erzählt, was euch immer einfällt und ihr ihm gerne sagen wollt. Veröffentlicht die Texte auf eurem Blog und schickt uns den Link zu. Falls ihr kein eigenes Blog habt, schickt uns euren Text  und wir veröffentlichen ihn. Schickt uns auch Bilder, Comics, Videos …

Macht einen Unterschied.

 

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Schwimmübungen im Haifischbecken.

Heute machte man mich auf eine kleine Diskussion aufmerksam, die sich um die erste Ausgabe des N#mmer-Magazins dreht. Von „Lifestyle-Autismus“ ist da die Rede, von der „autistisch-digitalen Boheme“ mit schillernden Lebensläufen und davon, ein falsches Bild von Autismus zu zeichnen. Das alles ließ mich verbittert auflachen.

Sicher ist es nicht nötig, dass ich mich dazu äußere und es liegt mir fern, mich für irgend etwas zu rechtfertigen. Doch ich mache mir als Autorin, die unter anderem für N#mmer schreibt, natürlich meine Gedanken dazu, zumal man mich auch schon direkt darauf ansprach, dass meine Darstellung vom Autismusspektrum nicht „korrekt“ sei und ich zu positiv berichte. Und die regelmäßig aufkommenden Diskussionen zwischen denen, die das von Autismus verursachte persönliche Leid in den Vordergrund stellen und denen, die sich um eine positive Darstellung ihres Autismus bemühen, entgehen mir natürlich auch nicht. Das alte Lied von Leid und Pride. Weiterlesen

Die Sache mit dem Autismusverdacht.

Autisten, die einen öffentlichen Blog mit Kontaktmöglichkeit unterhalten, bekommen natürlich auch Zuschriften.
Meist freue ich mich über die e-Mails, die manchmal Lob, gelegentlich Kritik und oft auch Fragen beinhalten. Obwohl es manchmal sehr anstrengend ist und ich nicht immer in gleichbleibender Regelmäßigkeit antworten kann, sind aus diesen Kontakten schon lange, mir wertvolle Konversationen entstanden, für die ich dankbar bin (J., you know who you are).
Dass Autismus ein wiederkehrendes Thema in diesen Gesprächen ist, wird nicht überraschen.
Immer wieder fragen mich Menschen, ob sie denn autistisch sein könnten. Der eine kam vielleicht nach eigener Recherche darauf, ein anderer, nachdem man ihn darauf hinwies. Und da kommen wir zu einem Punkt, den ich schwierig finde:
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Hund, Katze, Autist.

Zwischen dem Hund und mir liegen etwa zwei Meter. Ich fürchte mich nicht, auch er wirkt ruhig. Wir mustern uns einige Sekunden lang skeptisch, wissen nicht, was wir voneinander halten sollen. Er dreht sich um und läuft weiter.

Während viele Autisten mit Tieren wesentlich besser zurechtkommen als mit Menschen, schaffe ich es auch bei dieser Spezies nicht, eine Verbindung herzustellen und Sympathie aufzubauen.

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