Diese „Krawallautisten“

„Das sind doch diese Krawallautisten“, sagt der ein oder andere Facharzt oder Therapeut, der die Folgen des autistischen Aktivismus an den eigenen Projekten zu spüren bekam. An Eltern und Kolleg*innen gibt er den wohlmeinend klingenden Rat weiter, sich von „denen“ fernzuhalten. Manch einer nennt uns noch etwas phantasievoller „Internetautisten“, was ich sehr lustig finde. Begreift man das Internet als Möglichkeit der Barrierefreiheit, ist das in etwa so, als nenne man Gehbehinderte „Rollstuhlmenschen“ – also ziemlich albern. Weiterlesen

Vaxxed – die Zelluloid gewordene Stigmatisierung

 

Fast konnte man hoffen, Andrew Wakefield sei nach den Skandalen um seine gefälschten Impfstudie von der Bildfläche verschwunden. Im vergangenen Jahr wurde man leider eines besseren belehrt. Als Drehbuchautor und Regisseur wagte er seine Rückkehr auf die Bühne – und das sogar im Kinoformat. Mit seinem Film Vaxxed – die schockierende Wahrheit möchte er erneut die inzwischen mehrfach widerlegte These der autismusverursachenden MMR-Impfung unter das Volk bringen. Aufgrund seiner gefälschten Studie, mit der er vergeblich die These zu untermauern versuchte, wurde ihm die Approbation entzogen.
Im 90 Minüter Vaxxed – die schockierende Wahrheit inszeniert er sich als Opfer einer weltweiten Pharma-Verschwörung, die das Ziel verfolgt, der Menschheit gesundheitlich zu schaden, um so noch mehr Geld verdienen zu können. Mit Robert DeNiro fand diese bizarre Verschwörungstheorie einen prominenten Unterstützer, trotzdem wurde sein Film nach Protesten vom renommierten Tribeca Film Festival abgelehnt. Auch in London und Brüssel scheiterte er. Nun hat diese unglückseelige Rolle Zelluloid einen deutschen Verleih gefunden: Die Busch Media Group GmbH und Co. KG. Weiterlesen

Nach “Team Wallraff”: Inklusion ist die einzige Lösung

Seit der Ausstrahlung von “Team Wallraff” am 20. Februar 2017 ist die Situation von Menschen mit Behinderung und Pflegebedarf Thema vieler Diskussionen.

Die Sendung “Team Wallraff – Reporter undercover” schleust regelmäßig Reporter*innen verdeckt in Unternehmen, Einrichtungen und Organisationen mit dem Ziel ein, Missstände aufzudecken. In der angesprochenen Folge recherchierte eine Frau als Praktikantin in Einrichtungen und Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Sie fertigte versteckte Filmaufnahmen an, die viele RTL-Zuschauer*innen zu Recht schockierten. Was mich gleichermaßen entsetzte: die Reaktionen auf die Sendung, die die Geschehnisse entschuldigten und relativierten.

Während ich auf Twitter die immer hitziger geführte Debatte verfolgte, wurde mir vor allem eines bewusst: Mein Umgang mit Behinderung weicht stark von dem der meisten Menschen ab. Weiterlesen

Die Selbstvertretung im Zusammenspiel mit Fachkräften

Vor ein paar Monaten habe ich schon einmal darüber geschrieben, wie schwer es ist, sich für die autistische Selbstvertretung stark zu machen. Inzwischen hat sich die Situation noch verschärft. Seit die Aktion Mensch entschieden hat, ihre Förderung für ABA-Projekte auslaufen zu lassen und keine neuen Projekte zu fördern, die ABA beinhalten, haben sich die behindertenfeindlichen Angriffe, vor allem von Fachkräften, gefühlt vervielfacht.

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Zirkelschluss

Wenn sich Menschen mit Behinderung dagegen wehren, respektlos und diskriminierend behandelt zu werden und aufgrund dieses unbequemen Aufbegehrens respektlos und diskriminierend behandelt werden, ist es doch nur die Verdeutlichung des Umstandes, dass Menschen mit Behinderung nicht als gleichwertig gesehen werden.
Menschen ohne Behinderung werden mit ihrer Kritik an Menschen mit Behinderung sehr viel ernster genommen als Menschen mit Behinderung, die Kritik an Menschen ohne Behinderung üben. Jenen wird von vornherein die Augenhöhe verweigert.

 

10 Dinge, die Dich wie ein ignorantes Arschloch wirken lassen – Die Autismus-Edition.

Wenn mir eines besonders häufig passiert, dann die Konfrontation mit Annahmen und Aussagen, die sich irgendwo zwischen unpassend und ignorant bewegen. Ignorant, da man mir damit die Selbstbestimmung und Selbstvertretung abspricht, etwas, das Menschen mit jedweden Behinderungen Tag für Tag geschieht.
Der Text 10 Dinge, die man nicht zu Autisten sagen sollte klärte bereits einige Fragen. Nun nutze ich die Gelegenheit, noch ein wenig tiefer in die Problematik der allgemeinen Autismus-Mythen einzutauchen.

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Die Ausgrenzungskultur der Anderen.

Ist das nicht lustig? Ich kenne tatsächlich keine selbstironischeren, sarkastischeren Menschen als Autisten. Und ich selbst stehe ihnen mit meinem zynischen Wesen kein bisschen nach.
Doch mit dem Humor ist es so eine Sache, denn er hat eine feine Grenze. Da gibt es nämlich diesen ganz bestimmten Moment, in dem ein Witz nicht mehr lustig ist, sondern verletzt. Demütigt. Denjenigen, dem er galt, bloßstellt.
 Genau diese Grenzüberschreitungen sind harter Alltag für Behinderte, Kranke und andere Randgruppen und sie geschehen täglich. Privat ebenso wie in den Medien.
Als lebendes Ziel dieser vermeintlich humorvollen Verletzungen hat man in der Regel zwei Möglichkeiten. Sich dagegen wehren und dafür belächelt werden. Oder schweigen, es aushalten und für seine vermeintliche Abgebrühtheit ein paar Extralacher kassieren. Einfach so tun, als sei es in Ordnung. Doch das ist es nicht.

 Es ist nicht in Ordnung, sondern oft einfach nicht mehr als Behindertenfeindlichkeit. Ableismus. Weiterlesen

Der Masturbationsautismus im Feuilleton.

Heute Morgen machte man mich auf einen Artikel im Feuilleton der FAZ aufmerksam, in dessen Titel die Formulierung „Nur ein neuer Autismus kann uns retten“ verwendet wurde. 

Ich hielt das für einen der üblichen Medien-Fehltritte und twitterte noch ganz unaufgeregt darüber.

Einige Tassen Kaffee später fühlte ich mich in der Lage, den kompletten Artikel zu recherchieren und sah mich nach dessen Lektüre zwar nicht kafkaesk in einen Käfer verwandelt, wohl aber in geballte Fassungslosigkeit.
Wenn ich Derartiges lese, werde ich sehr wütend. Die Wut weicht aber bald und ich fühle mich einfach nur noch resigniert, müde und unfassbar hilflos.

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