Richtigstellung zu meinem Artikel im Progress-Magazin.

In der im Mai 2015 erschienenen Ausgabe des Magazins der österreichischen HochschülerInnenschaft „Progress“ findet sich ein von mir verfasster Artikel. Darin berichte ich über die ableistische Darstellung von Autismus in den Medien.
Da dieses Thema für uns Autisten dauerhaft aktuell ist, habe ich mich sehr über diese Möglichkeit gefreut.

In diesem Text schrieb ich unter anderem:

„Autismus ist eine seelische, „unsichtbare“ Behinderung, deren Symptome erstmals 1938 der Kinderarzt Hans Asperger beschrieb und die bis heute noch wenig bekannt sind“.

Bedauerlicherweise wurde mein Artikel jedoch von der Redaktion des Progress-Magazins ohne Rücksprache mit mir inhaltlich geändert und ohne mein Wissen mit diesen Änderungen veröffentlicht. In der von Progress lektorierten Fassung ist nun zu lesen:

„Autismus ist eine geistige, eine „unsichtbare“ Behinderung, deren Symptome erstmals 1938 vom österreichischen Kinderarzt Hans Asperger beschrieben wurden und die bis heute vergleichsweise unbekannt sind“.

Auf meine Nachfrage hin und meinem Hinweis auf diese fehlerhafte Umformulierung zeigte sich die Redaktion des Progress-Magazins zu meinem Bedauern jedoch weder gesprächsbereit, noch einsichtig.

Hiermit distanziere ich mich daher ausdrücklich von dem in der Mai-Ausgabe des Progress-Magazins erschienenen Artikel, hinter dessen von der Progress-Redaktion vorgenommen Änderungen ich nicht stehe.

Warum halte ich diesen Schritt für notwendig?
Eine seelische Behinderung betrifft in erster Linie das Sozialleben und die Eingliederungsfähigkeit in die Gesellschaft. Sie kann nicht klar umrissen werden und ist nur aufwändig feststellbar. Autisten zählen zu der Gruppe der seelisch behinderten Menschen.
Die seelische Behinderung grenzt sich zur geistigen Behinderung durch die bei letzterer auftretende Intelligenzminderung ab. Unterdurchschnittliche kognitive Fähigkeiten gehören ebenfalls zu den Kriterien der mentalen Retardierung. Natürlich ist es möglich, dass beide Behinderungsformen gleichermaßen festgestellt werden. Dies ist jedoch nicht die Regel.
Das Gleichsetzen einer seelischen mit einer geistigen Behinderung ist ein weit verbreitetes Vorurteil, mit dem Autisten, Depressive, AD(H)S’ler und andere Menschen mit einer Neurodiversität immer wieder konfrontiert werden. Ein Blick auf diese mitunter hochbegabten Menschen zeigt jedoch schnell, zu welchen herausragenden Leistungen sie imstande sind.
Die Betonung des Unterschieds zwischen einer seelischen und einer geistigen Behinderung bedeutet keineswegs die Herabsetzung geistig Behinderter, die sich die Bezeichnung „Menschen mit Lernschwierigkeiten“ wünschen. Sie unterstreicht vielmehr die unterschiedlichen Arten der Hilfe und Unterstützung, die die jeweiligen Personengruppen benötigen.

Ich bin der Meinung, derartige Fehlinformationen haben dauerhaft negative Auswirkungen für uns Autisten. Wir müssen uns schon zu oft gegen Vorurteile und Halbwissen wehren und meist fühlt es sich an wie ein Kampf gegen Windmühlen.
Dieser Vorfall im Progress-Magazin macht es uns nur noch schwerer, denn er nährt eben solche Vorurteile.
Zudem lässt eine derart falsche Information einen negativen Eindruck meiner Fachkompetenz in Bezug auf Autismus entstehen. 
Das Progress-Magazin teilt diese Meinung jedoch nicht, was ich sehr bedauere.

Ich wünsche mir gerade von Medienschaffenden einen sensibleren, achtsameren Umgang mit Begriffen aus dem Bereich Behinderung, psychische Erkrankung und persönliche Beeinträchtigung. Nur so können wir Hand in Hand erfolgreich gegen Diskriminierung vorgehen.

2 Gedanken zu „Richtigstellung zu meinem Artikel im Progress-Magazin.

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