neun.

Acht Zahlen. Acht zweistellige Zahlen. Acht zweistellige Zahlen, acht Testergebnisse, die alles aussagen, alles und nichts. Zahlen, aus deren Summe sich die Quersumme neun bildet, keine gute Zahl, eine ungerade Zahl, eine nicht fassbare Zahl, nicht fassbar wie mein Autismus. Das bin ich. Ich bin neun. Nichts als neun und doch alles und noch viel mehr. Neun ist dreimal drei. Und wenn ich mich auf den Kopf stelle, ist es eine sechs, eine gerade sechs und die besteht wiederum aus zwei dreien. NeuN – vorne N, hinten N, in der Mitte ein Eu, auf Altgriechisch εὖ – das bedeutet »gut«. Ist die neun doch gut? In Zahlenwerten ausgedrückt ist neun vierzehn plus fünf plus einundzwanzig plus vierzehn und ergibt vierundfünfzig, eine Zahl, deren Quersumme wiederum die neun ist. Sechs Mal neun, ich stehe einmal auf den Füßen, einmal auf dem Kopf und multipliziere beides.
Wer bin ich? Ich bin nicht mein Autismus, aber er macht mich zu dem, was ich bin, ich möchte mich nicht mit ihm definieren, kann es aber auch nicht ohne ihn. Ob das, was ich bin, Wert hat, gut ist oder doch nicht mehr als ein misslungener Scherz, das kann mir keine Zahl sagen, niemand kann mir das sagen, vielleicht erfahre ich es nie. Ich lebe als neun, fehlerhaft, tonnenschwer  und wäre doch vielleicht lieber eine zwei oder eine vier, bin aber nur eine neun und wütend deshalb, so wütend. Wie lebt es sich wohl als vollkommene, wunderschöne acht?

6 Gedanken zu „neun.

  1. Und wenn Du einfach Du wärest?

    Entschuldigung, ich bin wieder in das all zu vertraute „Du“ abgerutscht. Aber mit dem von Ihnen bevorzugten „Sie“ klingt dieser Satz zu holperig.

    Milch ist die Summe ihrer Inhaltsstoffe. Sicher richtig. Aber ich könnte nur wenige benennen. Für mich ist Milch zunächst einmal Milch. Ich nehme ihr Aussehen, ihren Geschmack, ihren Geruch wahr. Ich habe noch nie einen Beipackzettel von Milch gelesen.

    Ich kenne den Inhalt der Tests nicht, und die Zahlenwerte der Ergebnisse sagen mir nichts. Sie kennen sie nun. In Ihrem Tweet schreiben Sie:
    „Ich bin neun. Nichts als neun und doch alles und noch viel mehr.“
    Ich glaube, dass der zweite Teil dieses Tweets der entschedende ist.

    Testergebnisse beschreiben Merkmale, die der Entwickler des Tests für wichtig hält. Mehr nicht. Es sind selektive Beobachtungen. Wenn ich die Ergebnisse der IQ-Tests betrachte, die ich selbst erlitten habe, dann sind sie nicht einmal objektiv.

    Sie sind wohl so ausschnitthaft subjektiv, wie meine Wahrnehmung von Ihrer Person durch Ihre Blogposts ausschnitthaft und subjektiv ist.
    Ich nehme Sie als stark und souverän wahr, aber auch als empfindsam und verletzlich.
    Als nah – Sie geben viel von sich preis! – , aber gleichzeitig unnahbar.
    Ich bewundere ihre Sprache und Darstellungskraft.
    Manche Ihrer Schilderungen kann ich nachempfinden.
    Vieles ist mir ein Rätsel und darf auch ein Rätsel sein – z. B. die Rolle der Zahlen in Ihrem Denken.

    So bruchstückhaft und vielleicht auch falsch mein Eindruck von Ihnen ist und so verschieden wir in unseren Charaktären auch sein mögen, so lerne ich Sie in all dem wertzuschätzen und zu achten. Auch in Ihrer Frage nach sich selbst!

    Eine 9 bleibt eine 9. Auch unsere Gene sind unveränderlich. Wir Menschen als Ganzes sind es nicht. Vor allem kann eine 9 und was sie an Testergebnissen symbolisiert uns als Ganzes nicht beschreiben.

    „Wer bin ich?“ fragen Sie. Bleiben Sie dran an dieser Frage!
    Aber glauben Sie nicht, diese Frage endgültig lösen zu können. Denn sie ist keine mathematische Gleichung, sondern ein Lebensabenteuer!

    1. Vielen Dank für Ihre Gedanken und Anmerkungen. An der Unveränderlichkeit der Gene zweifle ich nicht, ich habe vielmehr die Anpassungsfähigkeit und Möglichkeit des persönlichen Wachstums im Hinterkopf, wenn ich davon schreibe, was ich sein möchte. In wie weit Veränderung möglich ist und auch Sinn ergibt, das ist eine andere Geschichte.

      1. Ich glaube, das hatte ich auch so verstanden. 🙂
        Ich bin überzeugt, dass Menschen sich verändern können!
        Nicht, dass sie „zu jemand anderem“ werden. Sie als Autistin können nicht den Autismus abschütteln (meine Anspielung auf die Gene), und es wäre nicht gut, es trotzdem zu wollen.

        Aber Menschen können sich entwickeln, reifen, charakterlich wachsen, neue Erfahrungen machen. Neue Einsichten verändern das Leben. Das kann dann schon so weit gehen, dass jemand sagt: „Ich erkenne dich kaum wieder, du warst früher ganz anders!“
        Der Wunsch „Bleib, wie du bist!“ mag als wohlwollende Anerkennung gut gemeint sein, aber ein wirklich guter Wunsch für das Leben ist es trotzdem nicht. Ich wünsche Ihnen viel Mut für neue Perspektiven, aber auch inneren Halt und Ruhe in sich selbst, so wie Sie gerade sind!

        Sie sind jung, Girlfromouterspace, da tut sich noch viel im Leben!
        Nur Mut!

  2. Hast du schon einmal darüber nachgedacht, dass die Tatsache, dass wir das Dezimalsystem verwenden, wahrscheinlich nur auf dem „mehr oder weniger dummen Zufall“ beruht, dass Menschen zehn Finger haben? Für viele Zwecke sind Zahlensysteme zu einer anderen Basis als 10 deutlich besser geeignet: so besitzen Binär- bzw. Ternärsystem (Basis 2 bzw. 3) mathematische Vorteile, das Hexadezimalsystem Vorteile beim Programmieren (1 Byte entspricht 2 Hexdezimal-Ziffern); für Stunden, Minuten, Sekunden (bzw. Grad, Minuten, Sekunden) wird immer noch – obgleich aus wissenschaftlichen Gründen fragwürdig – ein Zahlensystem zur Basis 60 mit Zwischenbasis 10 verwendet, welches auf das babylonische Zahlensystem zurückgeht.

    Ebenso ist die Tatsache, dass die 6 vertikal spiegelsymmetrisch zur 9 ist, sehr zufällig: wenn man sich beispielsweise https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Arabic_numerals-de.svg anschaut, so stellt man fest, dass in den beiden arabisch-indischen Zahlensystemen (Vorläufer der Darstellung in „unserem“ Zahlensystem) 6 und 9 nicht vertikal spiegelsymmetrisch zueinander sind, dafür jedoch 7 und 8.

    Außerdem solltest du klären, warum deine Theorien nicht invariant unter der Wahl einer Sprache sind (warum funktioniert NeuN nur im Deutschen, nicht jedoch z. B. im Englischen oder Französischen?).

    Was ich damit sagen will: man sollte ausgesprochen vorsichtig sein, wenn eine Zahlenspielerei (nicht im herablassenden Sinne gemeint) von der Wahl eines sehr speziellen, willkürlichen Zahlensystem (und ich hoffe aufgezeigt zu haben, dass unser Dezimalsystem sehr willkürlich ist), bildlichen oder sprachlichen Darstellung der Ziffern abhängt.

  3. Diese Gedankenknoten kenne ich auch. Meine Freunde und Kollegen nennen das immer Geistessprünge. Sie können mir häufig nicht folgen. Jetzt rede ich von einem Thema. Auf einmal, mitten im Gespräch von einem völlig anderen Thema. Irgendein Wort in einem vorhergehenden Satz schuf diese Verknüpfung. Und dann springe ich auf einmal zum vorherigen Thema zurück.

    Verdammt, ich verschlinge gerade deinen Blog!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

3 × 1 =