Liebesgeschichte (9)

„Das, was meine Eltern haben. Das will ich.“
Ich nicke kauend.
„Das, was Deine Eltern haben. Das will ich auch.“
„Ich meine, sie vergöttern sich nach fünfunddreißig Jahren immer noch.“
„Wahnsinn, ja.“
Du schleuderst die Keksschachtel quer über den Tisch. Der letzte Keks, der Anstandskeks fällt heraus und kullert bis kurz vor die Terrassentür. „Warum klappt das bei uns nicht?“
„Und Nele? Was ist mit Nele?“
Hoffentlich heißt sie wirklich Nele. Ich vergesse die Namen Deiner Liebeleien zu schnell, verwechsle sie, bringe sie durcheinander und dann reagierst Du so genervt, als würde ich mich nicht genug für Dich interessieren. Aber Namen, hey. Namen herunterleiern zu können ist kein Beweis für eine gute Freundschaft. Zumindest nicht für mich.
„Wir ficken halt. Ich will keine, die sich einfach ficken lässt.“
„Aber Du lässt Dich ja dann von ihr genauso…“
„Das ist doch was komplett anderes!“, herrscht Du mich an. Wenn Du so bist, mag ich Dich nicht. Du wirkst dann wie ein Löwe, der sein Revier abcheckt.
„Ich bin der Mann. Wenn ich das mache, ist das egal. Aber wenn eine Frau das macht, dann ist sie zu einfach zu haben. Die kann man dann nicht lieben.“
„Was für ein Blödsinn. Mit Lukas habe ich auch sehr schnell geschlafen.“
„Und? Liebt er Dich?“
Gut gebrüllt, Löwe. Ich weiche Deinem Blick aus.
„Schau nicht so triumphierend, Du Arsch.“
Ich fixiere den Keks. Hafer. Der kristallisierte Zucker darauf glitzert.
„Das ist nicht fair.“ Theatralisch vergrabe ich meinen Kopf in das Sofakissen.
„Natürlich ist das nicht fair, aber so funktioniert die Welt. Wenn Du eine Frau bist, musst Du Sex taktisch einsetzen.“
„Und das wissen alle Frauen außer ich?“
„Eben nicht, darum sind wir ja alle alleine.“
„Aber ich brauche das, um mich zu verlieben, also das mit dem Körperkontakt. Sonst passiert nichts bei mir.“
„Dann wirst Du eben weiterhin scheitern.“
Ich stand auf, schnappte mir den gefallenen Keks und stecke ihn mir in dem Mund.
„Mir doch egal.“

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