Liebesgeschichte (7)

Bei Fremdsprachen und Instrumenten verlierst Du zu schnell die Geduld und gibst wieder auf, meintest Du, darum beherrscht Du auch keins davon. Und bei Menschen, ergänzte ich gedanklich. Und auch bei Menschen.
Ich rutschte ein wenig von Dir fort, wickelte mich in die Decke und tat, als beobachtete ich die in der Sonne tanzenden Staubkörner. Möglichst belanglos. Du solltest nicht merken, dass ich mir stattdessen den Moment greife und ihn in diesem Satz konserviere. Den Raum und seine karge Möblierung. Den beruhigenden Rhythmus Deiner Atemzüge. Die Weingläser auf dem Fensterbrett. Den Bücherstapel neben dem Bett und die Zeichnung von meinem Gesicht über Deinem Schreibtisch.
Es gibt immer einen Satz, mit dem die emotionale Distanzierung beginnt, diese schnelle Phase des voreinander Fliehens. Andere sammeln Erinnerungsstücke ihrer Liebhaber, Geschenke vielleicht oder T-Shirts, noch körperwarm, an denen man verschämt, aber endorphinberauscht den Duft des Liebsten sucht.
Ich sammele Abschiedssätze. Schreibe sie auf kleine Zettel, zusammen mit Namen und Datum und klebe sie in ein Album. Ich kann sie nicht direkt hineinschreiben, es sind schließlich nicht meine Sätze, ich habe sie nur gefunden. Deiner macht sich gut in dieser Kollektion, so subtil, wie er sich liest.
Ich kann mir ohnehin nicht vorstellen, dass Du weinen würdest, wenn ich heute sterben würde und ein paar Tränen sollten da schon kommen. Das ist meine Bedingung, sonst wird das nichts mit uns. Zum Beispiel immer dann, wenn Du Blumen auf mein Grab legst. Ein Jahr lang mindestens. Aber keine Rosen, ich mag keine Rosen. Das habe ich Dir nie gesagt und vermutlich würdest Du Rosen bringen, weil das ja romantisch ist und ein Grab voller Rosen ist nichts, womit ich leben kann. Oder sterben.

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