Liebesgeschichte (10)

Als Du mich fragtest, wie ich mir die Liebe vorstelle, sagte ich, meine Liebe sei leise. Leise, aber stärker als alles, was sich der schwache Mensch nur vorstellen kann. Sie will keine Bühne, meine Liebe. Sie will nicht gefeiert werden. Sie will nur Raum.
Ein Wir, sagte ich, mehr braucht diese Liebe nicht, um zu wachsen. Stell Dir vor, wir wären ein Superhelden-Team. Unsichtbar vielleicht, ja, aber auch unbesiegbar, so lange wir nur beieinander blieben. Gemeinsam bestünden wir mühelos gegen den Rest der Welt. Da war ich mir sicher.

Und als ich sie dann erahnen konnte, diese leise, starke Liebe, als ich spürte, wie groß sie bereits in ihren Anfängen war, da musste ich gehen. Es war mir nicht möglich, es zu erklären, doch ich konnte mir nicht ausmalen, dass jemandem, der so fehlerhaft und wertlos ist wie ich, etwas derart Schönes widerfahren darf. Das schien mir falsch zu sein, das war gegen jede Vernunft. Liebe, die verdienen die guten, die klugen und schönen Menschen. Die Anderen. Die, deren Dasein Berechtigung hat. Denn Liebe, das ist etwas, das Sinn schenkt und das Leben erträglich macht und warum sollte ich das Leben ertragen dürfen?
Als ich fortlief, versprachst Du mir, ich werde sie wieder finden, diese Liebe, an einem anderen Ort und seitdem zieht es mich nur dort hin, wo nichts gedeihen kann.

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