Liebesgeschichte (1)

„Du bist schön.“
Geflüstert. Geraunt.
Sein Atem streift die zarte Haut meines Nackens, verfängt sich im Haar, liebkost die kleinen Erhebungen meiner Wirbel, die Perlen gleich den Rücken hinabfließen. Ich neige den Kopf, zeige Zerbrechlichkeit. Kalt und bewegungslos ruhen meine Hände auf den Knien, der Körper behält Spannung. Was er Schönheit nennt, ist nicht mehr als Melancholie, als der nach außen hin sichtbare Versuch, meine Geschichte tief in mir zu verschließen. Sie ist flüchtig und zeichnet eine Art der Ruhe in meine Züge, die nie heiter wirkt, immer Distanz schafft. Sie weckt seine Begierde. Meine Fremdartigkeit findet er anziehend, er möchte mich fangen und besitzen, das ist ihm fast schon schmerzhaft bewusst. Und er kämpft. Ausdauernd. Verbissen. Bis er es leid ist, immer wieder an meinen Mauern zu scheitern und mich als die in Erinnerung behält, die ich nie war.

6 Gedanken zu „Liebesgeschichte (1)

  1. Du schreibst wunderschön! 🙂 Ich bin durch deinen alten Blog auf diesen gekommen, was eine Entdeckung!
    Selber habe ich gerade einen neuen Blog geründet! Schau doch mal vorbei =)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

dreizehn − 12 =