Liebesgeschichte (11)

Briefe dieser Art kann man nur Nachts schreiben. Am Tage schämt man sich für die Besessenheit vom eigenen Untergang, für diese geradezu lächerliche Egozentrik, die der heimliche Wunsch nach Zerstörung birgt. Das Licht muss gedämpft sein, der Raum ein wenig zu kühl. Wie gern ich uns inszeniere. Zu meiner in kühnen Falten liegenden Stirn trage ich die Erinnerung an Deinen Atem auf meiner Haut.

ich träume
ich falle
in Deine Hände
schließe sie
fest

Lass mich in Deinem Bewusstsein bleiben, wo soll ich anders hin? Die Freiheit ertrage ich nur noch als Wunsch danach, als abstrakte Theorie. Nicht mein Fleisch, nicht meinen Geist, keine Zelle meines Körpers kann ich mehr aushalten. „Verliere Dich in meinen zerfallenden Gliedern, Geliebter“, will ich Dir schreiben, „vergiss Dich in meinen knöchernen Ruinen“; ich höre Dich bereits lachen ob meiner Melodramatik.

ich träume
Du zerbrichst
mich
ich
kann nicht mehr
sein

Es ist doch nicht zagend, das Ende den Anfängen vorzuziehen. Zu enden bedeutet nicht mehr, als einen weiteren Beginn zu fordern. Auf meinem Papier. Allabendlich.

 

2 Gedanken zu „Liebesgeschichte (11)

    1. Doch, natürlich. Du kannst ihn manuell Deiner WordPress-Leseliste hinzufügen oder über den Button gehen, der Dir beim Aufrufen oben in der WordPress-Leiste angezeigt werden sollte.

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