Lächelnd.

Es ist kalt.
Ich starre auf mein Mobiltelefon und laufe mit langen Schritten die nur mäßig belebte Straße entlang. Mein Atem bildet kleine Wölkchen. Von Zeit zu Zeit hebe ich kontrollierend den Blick, der nun das Gesicht eines Mannes trifft. Er lächelt. Die Mundwinkel sind nach oben verzogen, die Augen blitzen. Er lächelt eindeutig. Warum? Lacht er mich aus? Sieht er etwas Lustiges? Ist etwas in meinem Gesicht verwischt? Ich bin unsicher, sehe an mir herab. Der Mantel, den ich trage, ist eigentlich zu dünn für diese Temperaturen, doch das kann ihm nicht amüsiert haben. Er lächelt noch immer. Kommt näher. Meine Gedanken rasen. Sehe ich ulkig aus, mit der schweren Einkaufstasche in der einen Hand, dem Telefon in der anderen und der Handtasche über dem Arm? Ich trage mein Alltagsgesicht, die Alltagsfrisur und Alltagskleidung. Fleischgewordene Normalität, unauffällig, durchdacht und geplant. Er kann mich nicht attraktiv finden. Nicht so. Nein, etwas stimmt nicht. Ich weiß es genau. Wir passieren einander, er wendet mir sein Gesicht zu. Ich starre verschämt und verwirrt auf den Boden, nicht wissend, wie ich reagieren soll, erhöhe mein Tempo und hetze weiter.
Heim, nur heim.

5 Gedanken zu „Lächelnd.

        1. …außerdem, wenn ich glücklich bin oder mich freue, ist das ein gutes Gefühl, und ich habe den Wunsch, dann auch andere Menschen glücklich zu machen, und die einfachste Methode dazu ist normalerweise, sie anzulächeln.
          Vielleicht ist es bei dem Mann auch so.
          Maja

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