Die Chronik des Scheiterns.

Jedes Mal, wenn mir jemand rät, mich doch mal bei Auticon zu bewerben, schlage ich meinen Kopf fest auf die Tischplatte, türme die zertrümmerten Holzstücke zu einem Scheiterhaufen auf, setze den Rat gebenden oben drauf und werfe bei Verlassen des Raumes effektvoll das brennende Feuerzeug über die rechte Schulter. Die Schreie, dass ich ja ohne Interesse an IT kein richtiger Autist sei, werden vom lebhaften Prasseln der Flammen übertönt und ich gehe entspannt in den Sonnenuntergang.
In der Realität seufze ich jedoch nur müde, ringe mir ein Lächeln ab und frage, ob C++ denn nicht eine internationale Größenangabe für BHs sei.

Ein Zeugnis der Misserfolge sei wohl der Lebenslauf vieler Autisten und ein Zeugnis des Misserfolgs ist auch meiner. Ja, eine hübsche Aneinanderreihung von Fehlentscheidungen und Kapitulationen, Lücken und Leistungseinbrüchen. Eine Chronik des Scheiterns.
Und der strahlende Ritter Auticon reicht mir nicht seine rettende Hand, da ich keinerlei IT-Kenntnisse habe und auch nicht einfach mal ein Spezialinteresse daran entwickeln kann. Aber was bleibt den Verschmähten? Wo finden die ihre Nische, die es nicht geschafft haben, eine akademische Laufbahn zu beginnen? Was passiert mit uns? Was wird aus mir? Mir bleibt wohl nicht mehr, als unermüdlich von einem unpassenden Job in den nächsten zu irren, immer auf der Suche nach meinem Platz, meiner Aufgabe.
Und so erweitere ich meine To-do-Liste um den Punkt „Zukunftsangst“, markiere ihn als tägliches Ereignis und freue mich, wie herrlich organisiert ich in mein Verderben laufe.

2 Gedanken zu „Die Chronik des Scheiterns.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

15 − acht =