Die Chronik des Scheiterns – Ein Ende, kein Anfang.

05:30
Der Wecker schrillt in das Dunkel des Schlafzimmers.
Regungslos liege ich im Bett, unfähig, mich zu bewegen.
05:40
Der Wecker lärmt noch immer.
Ich zwinge mich, ihn auszuschalten.
Die Welt scheint aus Dunkelheit und Kälte gemacht, ebenso wie ich und diese Müdigkeit, die ich seit Jahren spüre, will mich nun ersticken. Ich lasse es geschehen.
06:00
Nun bin schon eine halbe Stunde hinter dem Zeitplan.
Von jetzt an ist es nicht mehr möglich, die morgendlichen Routinen zu durchlaufen, rechtzeitig das Haus zu verlassen und pünktlich zur Arbeit zu gelangen. Meine Gedanken rasen so schnell, fassen kann ich keinen einzigen.
06:30
Ich kapituliere.
Greife zum Mobiltelefon, schalte es aus, drehe mich herum und schlafe ein. Es wird Abend sein, wenn ich wieder erwache.

 

 

Wochen später, als ich es erstmals wieder schaffe, das Haus zu verlassen, finde ich den Brief in meinem Briefkasten.
„Die Kündigung bedauere ich. Sie waren meine beste Kraft.“

 

 

Ein Gedanke zu „Die Chronik des Scheiterns – Ein Ende, kein Anfang.

  1. Das kenne ich sehr gut aus meiner Schulzeit. Damals wusste ich noch nichts von meinem Autismus, aber jetzt wo ich das lese mache ich mir so meine Gedanken ob es vielleicht damit zusammenhing. Es hatte bei mir ebenfalls keinen Anfang, keinen eigentlichen offensichtlichen Grund. Ich musste dafür ein Schuljahr wiederholen und war dann erstmal ein halbes Jahr in der Tagesklinik, aber niemand konnte herausfinden, was mit mir los war. Könnte mir vorstellen dass es wohl so eine Kettenreaktion aus gebrochenen Routinen war und auch irgendwie mit dem enormen sozialen Stress in der Schule zusammenhing, der mich wohl einfach mürbe machte. Es war keine Faulheit, denn ich war zu der Zeit sehr motiviert und es machte mir Spass zu lernen und ich war einfach nur unheimlich frustriert und enttäuscht über mich selbst. Doch ich konnte so viel darüber nachdenken wie ich wollte, hatte weder eine vernünftige Erklärung noch einen Lösungsansatz gefunden.

    Dein Blog gefällt mir, du schreibst wirklich „druckreif“! 🙂 Ich hoffe du hast einen neuen Job gefunden, der deine Bedürfnisse und Probleme berücksichtigt.

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