Basis der Emotionen – die Basisemotionen

Mit den Emotionen ist es so eine Sache.
Sie widerfahren uns allen, mal intensiver, mal weniger intensiv. Und manchmal wähnt man sie gar verstorben und vergraben.
Es gibt eine Reihe von Grundgefühlen, die gattungsgeschichtlich und psychologisch eine große Rolle spielen, die Basisemotionen. Basisemotionen sind die Gefühle, die als wesentlicher Bestandteil jedes Menschen, unabhängig von Herkunft und Kultur, angesehen werden und theoretisch von uns allen mimisch erkannt werden können. Woher wissen wir aber, dass es Freude ist, was wir empfinden? Wie können wir so selbstverständlich davon ausgehen, dass wir alle ähnlich fühlen? Was gibt uns die Sicherheit, ein Gefühl sofort erkennen zu können?

Entgegen der erschreckend weitverbreiteten Vermutung, Autisten hätten keine Gefühle und vermögen nicht zu empfinden, gestaltet sich mein Innenleben recht bunt und vielschichtig. Oft ist es so empfindlich, dass selbst geringste Anlässe hohe Flutwellen auslösen können. Ein Obdachloser, der mich um Geld bittet, oder eine alte Frau, die in städtischen Mülleimern nach Pfandgut sucht, bringen mich schnell an die Grenzen meiner Belastbarkeit, während andere Passanten keine Sekunde meiner Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Manchmal vermute ich, dass sich das, was wir als Gefühlsregung wahrnehmen, in jedem Körper anders äußert. Starke Freude empfinde ich eher unangenehm, ich habe es nicht gern. Es ist ein bisschen so, als würde eine zähflüssige, elektrisierte Masse durch meine Adern kriechen und jede Zelle leidig kribbeln lassen, bis ich meine überreizte Haut ungeduldig reiben möchte. Traurigkeit ist mehr ein erstickender Druck auf den Brustkorb, der Schmerzblitze in die Arme sendet. Je trauriger ich bin, desto stärker ist der Schmerz. Bin ich wütend, ist es, als seien alle Gliedmaßen stark angeschwollen und dadurch gelähmt, als wäre ich unfähig, gefahrlos weiter als vier Meter zu gehen, ohne unkontrolliert zu bersten. Auch Überraschung ist etwas, das ich nicht allzu gern empfinde, es stürzt mich schnell in Überforderung und Hilflosigkeit, da ich oft nicht die Zeit habe, über die angemessene Reaktion nachzudenken oder nichts aus dem bisher Erlebten ableiten kann. Liebe wiederum scheint mir zu komplex, um sie in wenige Worte fassen zu können, sie zeigt sich in einer Vielzahl von Symptomen.

Frage ich einen anderen Menschen, ob er diese Emotionen ebenso wahrnimmt, erhalte ich oft nur ein verwirrtes Kopfschütteln. In derartigen Gesprächen fallen mir auch die Unterschiede im Ausdruck der Gefühle auf. Ich selbst kann sie schwer verbergen, mein Gesicht stellt sie schneller zur Schau, als mein Gehirn sie verwerten kann. Anders bei Mitmenschen: Sie passen ihre Mimik oft überlegter der Situation an, sodass sie kein verlässliches Hilfsmittel für die Kommunikation darstellen. Besonders schwierig zu erkennen sind Situationen, in denen sich Personen zur Unwahrheit hinreißen lassen und beispielsweise von Freude sprechen, wo sie doch Traurigkeit empfinden. Mir entgehen solche Feinheiten gern und mein Gegenüber empfindet meine Reaktionen daher oft seltsam. Auch für mich nicht logisch herleitbare Gefühle bereiten mir Probleme. Wie gern würde ich in die Köpfe anderer schauen können, um nachvollziehen zu können, was in Ihnen vorgeht, wenn sie ihre Gefühlsregungen ausdrücken!

Was ist es also, was unser Innen- und Außenleben so stark bestimmt? Was sind diese Emotionen? Woher kommen sie? Und wie kann ich sie wieder loswerden?

2 Gedanken zu „Basis der Emotionen – die Basisemotionen

  1. Ist Dankbarkeit auch ein Gefühl?
    Ich weiß es nicht.
    Auf jeden Fall bin ich sehr dankbar für Ihre so informative (welch nüchternes Wort!), genaue und vor allem persönliche Darstellung! Das berührt mich auch emotional, ich kann es nicht einfach nur wie enzyklopädisches Wissen abspeichern. Beim Lesen Ihres Textes empfinde ich, als bekäme ich ein individuell gestaltetes Geschenk, auch wenn es sich bei so einem Blogpost doch um eine allgemein zugängliche Webpublikation handelt. (Entschuldigung für die pathetische Ausdrucksweise, ich kanns halt nicht besser.)

    Ich möchte gerne noch eingehender Antworten, weiß aber noch nicht wie.

  2. Freude ist für mich wenn ich den Drang habe, glücklich zu lächeln und zu hüpfen, Schwung und Energie.
    Traurigkeit ist für mich wie Schwäche und Sinnlosigkeit und Weinen.
    Viele Grüße, Maja

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