Wir sind Autismus!


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Ich bin ein unbequemer Autist.
Ich lasse niemanden für mich sprechen.
Nein, ich möchte keinen Mittler zwischen mir und der Welt und brauche keine Organisation aus Nichtautisten, die mir erklärt, wie mein Leben mit Autismus aussehen muss. Wenn man mit Autismus lebt, weiß man das nämlich erstaunlich gut.
Ich setze mich intensiv mit mir, meiner Persönlichkeit, meinem Autismus und meinen damit einhergehenden Stärken und Schwächen auseinander und arbeite stetig an mir, immer mit dem Ziel, mich zu entwickeln und zu verbessern. Dazu suche ich mitunter auch Situationen, die mich herausfordern und manchmal auch überfordern. Ich bemühe mich um Kontakt und Kommunikation mit neurotypischen Menschen, besuche Veranstaltungen und Feste, nutze die öffentlichen Verkehrsmittel, suche volle Geschäfte auf. Nichts davon ist einfach für mich. Oft muss ich mich zwingen, es fällt mir sehr schwer und ja, man kann sagen, ich leide dabei.
Aber ich definiere mich nicht über das Leiden und meine Schwächen und es greift meine Würde an, wenn man aufgrund dessen meine Diagnose anzweifelt.

Autismus Deutschland e. V. (ehemals Hilfe für das autistische Kind e. V.) und seine Mitglieder machen das, wogegen ich mich täglich wehre:
Sie zeichnen ein Bild des Leides und der Betroffenheit, machen mich als Autist zum Opfer und zur Belastung für meine Umwelt, pathologisieren mich. Sie möchten nicht, dass sich Autisten selbst zu Wort melden. Sie verbreiten ein durch und durch einseitiges und negatives Bild von Autismus und lassen dadurch Vorurteile und Falschmeinungen entstehen, die sie mit ihrer medialen Übermacht verbreiten und die mir letztendlich schaden. Sie unterstützen und empfehlen zweifelhafte Therapiemethoden, die zu Traumata und psychischen Folgeschäden führen.
Ich möchte mich nicht für meine Diagnose rechtfertigen müssen; ich möchte mich nicht für meine Erfolge verteidigen müssen. Ich möchte stolz darauf sein, wer ich bin und was ich erreicht habe. Darum distanziere ich mich von Autismus Deutschland. Denn nur wir Autisten sind Autismus und keiner von uns ist wie der andere.

Dies ist eine Initiative von Autisten, die sich nicht von Autismus Deutschland vertreten sehen und nicht von ihnen vertreten werden möchten. Für weitere Informationen und Texte zum Thema „Wir sind Autismus“ genügt ein Klick auf das Banner.
Bitte beteiligt euch zahlreich!

10 Dinge, die man nicht zu Autisten sagen sollte.

Da ich zunehmend offener mit meinem Autismus umgehe, werde ich immer öfter mit Vorurteilen und merkwürdigen Ansichten konfrontiert. Das Folgende ist mir also ein Anliegen:

1. Du bist Autist? Das kann nicht sein.

Ach, wirklich?
Nun, wenn man weiß, dass man Autist ist, ging dem in der Regel ein langer Leidensdruck voraus, der in einer Facharztdiagnose gipfelt. Wenn jemand also sagt, er sei Autist, kann man davon ausgehen, dass die Person weiß, wovon sie spricht. Weiterlesen

Dies ist ganz sicher kein Text über das Dating.

Lange überlegte ich, einen Blogeintrag über Dating und Autismus zu schreiben, da dieses Thema früher oder später jeden Menschen, gleich ob neurotypisch oder Autist, betrifft und auch ich mich aktuell damit konfrontiert sehe. Ich startete mehrere Versuche, schrieb, korrigierte, verwarf sie wieder, formulierte ein paar Tweets, wertete die Reaktionen aus und kam schnell zu dem Entschluss, besser keinen Text über die Partnersuche online zu stellen. Weiterlesen

„Sozialer Autismus“ und andere Unsinnigkeiten.

Liebe Medien,

ich bin müde.
Nicht die Art müde, bei der man schlafen möchte, nein. Ich bin es leid, mich immer wieder wehren zu müssen.
Derzeit vergeht keine Woche, in der der Begriff Autismus nicht als Synonym für unangebrachtes oder unerwünschtes Verhalten genutzt wird und ich weiß nicht, wie so etwas überhaupt passieren kann. Würden Sie etwa einen Menschen, der vor Angst gelähmt ist, als Spastiker bezeichnen? Oder jemanden, der ausführlich fluchte, Tourette unterstellen? Nein? Sicher? Warum aber nutzen Sie dann die Diagnose Autismus auf ebendiese Weise? Autismus ist eine Entwicklungsstörung, eine emotionale Behinderung. Nicht mehr. Nicht weniger.

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Hund, Katze, Autist.

Zwischen dem Hund und mir liegen etwa zwei Meter. Ich fürchte mich nicht, auch er wirkt ruhig. Wir mustern uns einige Sekunden lang skeptisch, wissen nicht, was wir voneinander halten sollen. Er dreht sich um und läuft weiter.

Während viele Autisten mit Tieren wesentlich besser zurechtkommen als mit Menschen, schaffe ich es auch bei dieser Spezies nicht, eine Verbindung herzustellen und Sympathie aufzubauen.

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„Sie wollen also nicht angefasst werden.“

Als ich die Arzthelferin leise darüber informierte, dass ich Autistin sei und auf ihr Entgegenkommen in Sachen Kommunikation angewiesen bin, konnte man sehr gut beobachten, wie sich ihr Gesicht Muskel für Muskel zu einer abweisenden Grimasse verzog und sie fauchte „Jaja, ich sage es dem Arzt, gehen Sie mal ins Wartezimmer.“
Aber ich musste es ihr ja mitteilen, vor allem, um Kommunikationsproblemen vorzubeugen. Meine Schilderungen von Schmerzen und Beschwerden sind wohl derart neutral und distanziert, dass man mir oft schlicht und ergreifend nicht glaubt, mich nicht ernst nimmt oder mir unterstellt, ich würde simulieren.

Verunsichert schlich ich durch einen Wald aus Schildern, die mir die Nutzung meines Mobiltelefons untersagten, ins Wartezimmer, wo bereits ein älterer Mann saß, der gähnend braun-gelben Schorf von seinem Bein kratzte. Die herunterfallenden Schorfstückchen bildeten interessante Farbakzente auf dem grauen Teppich. Ich zückte mein Mobiltelefon, um ebendies dem Internet mitzuteilen. Weiterlesen

Wie wir uns damals nicht zum Affen machten.

Durch den Beruf meiner Mutter gehörten wir zu den privilegierteren Familien, so kam es zum Beispiel, dass wir die einzigen in unserer Straße waren, die über einen Telefonanschluss verfügten, was uns eine gewissen Beliebtheit unter den Nachbarn einbrachte.
Dieser schwere, graue Apparat mit der rasselnden Scheibe war wichtig, denn Mutter musste oft auf Abruf verfügbar sein. Es hieß schließlich „SMH – schnelle medizinische Hilfe“ und nicht „Warte mal, ich schicke jemanden bei der Kollegin vorbei, um ihr Bescheid zu sagen, dass wir da einen Notfall haben und wenn alles gut geht, sind wir in zwei, drei Stunden am Unfallort – Hilfe“. Weiterlesen

Die Chronik des Scheiterns – Ein Wiedersehen.

Der Kellner bewegt seinen Mund und schaut mich erwartungsvoll an. Vergebens ringe ich um Konzentration. In diesem winzigen, überfüllten Raum ist es so laut, ich kann beim besten Willen kein Wort verstehen.
Die Wahl des Restaurants habe ich ihr überlassen. Es ist zwar auch meine Heimatstadt, die ich gerade besuche, doch zu Hause bin ich hier schon lange nicht mehr.  Ich zeige stirnrunzelnd auf ein Gericht in der Karte. “Und ich nehme die Gnocchi”, sagt Katja und es klingt wie “Knotschi”, lustig irgendwie und schrecklich falsch; ich muss mich zwingen, sie nicht zu korrigieren.

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