Pausengedanken


Nachdem ich bei Anita las, wie schwer es ihren vier autistischen Kindern fällt, Pausen in ihren Alltag zu integrieren beziehungsweise die Notwendigkeit von Pausen überhaupt zu erkennen, dachte ich darüber nach, wie ich es als autistische Erwachsene handhabe. Und ich muss zugeben: Nicht unbedingt besser, im Gegenteil. Waren in der Kindheit die Schulferien zuverlässige Erholungszeiten, sind es heute, wo ich das Schreiben in einen vollen Berufsalltag integrieren muss, die… Ja, also, was soll ich sagen? Es gibt sie nicht mehr. Weiterlesen

Hilfe, Selbstvertretung!

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„Autismus hat viele Gesichter“, sagen Menschen und denken „All diese Gesichter sehen aus wie meines/das meines Kindes. Was dem nicht entspricht, kann also kein Autismus sein“.

Wir sprechen inzwischen vom Autismusspektrum. Ohne den Zusatz „Störung“, ohne die auf Außensicht beruhende, diskriminierende Einteilung „leicht“ und „schwer“. Ein weites, abstraktes Spektrum von Autist*innen mit mehr oder weniger großem Hilfebedarf, die eines gemeinsam haben: Eine eingeschränkte Teilhabe am Leben und eine Behinderung, die sie im Alltag beeinträchtigt. Manche so stark, dass sie permanente Betreuung brauchen, andere so, dass sie nur bei Bedarf Hilfe in Anspruch nehmen.
Ein Fortschritt für Autist*innen, mag man meinen. Ein wichtiger Schritt weg vom Tragödienmodell Behinderung, hin zum selbstbewussten Leben mit dem Anderssein. Wenn man aber genauer hinsieht, ist das nur verbaler Zuckerguss auf einem völlig verkohlten Kuchen. Weiterlesen

Cros und Schweigers Film „Unsere Zeit ist jetzt“ ist kein Meisterwerk. Warum er uns trotzdem gefällt

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Was passiert, wenn Cro, Til Schweiger, ein Drehbuchautor, der schon einmal was von Autismus gehört hat, eine Menge Geld und eine Handvoll Filmkameras aufeinandertreffen? Spoiler: Nichts Besonderes.

Der Trailer zu „Unsere Zeit ist jetzt“ war vielversprechend. Nicht, weil ich Cro-Fan bin, sondern weil da scheinbar eine Protagonistin zu sehen war, die nur ganz zufällig autistisch ist.

…auf Bento.de weiterlesen.

ABA stoppen – Ein erster Schritt.

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Die Belange von Autist*innen stehen in der Regel nicht auf der politischen Agenda – weder in Sachen Bildung, noch mit Themen, die das Schwerbehindertenrecht betreffen. Und das, obwohl sich selbst der UN-Generalsekretär bereits zu unserer Lage geäußert hat. Wir fühlen uns dadurch nur noch mehr als Personen, deren Rechte nicht anerkannt und deren Bedürfnisse ignoriert werden. So wie im bereits seit Jahren geführten Kampf gegen die Therapiemethode ABA, die Elemente aus Folter und Missbrauch enthält und trotzdem als Nummer Eins-Therapiemethode für Autist*innen gilt. Allein die Tatsache, dass eine derart schädigende, traumatisierende Methode im Jahre 2016 noch angewandt werden darf, sollte uns schon erschrecken. Umso schlimmer ist es, dass sie von Organisationen wie Aktion Mensch – die sich laut eigenen Angaben für Menschen mit Behinderung einsetzen – mit sechsstelligen Summen gefördert wird.
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Ach Wien,

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was soll ich sagen? Die Sache mit uns läuft nun schon fünf Wochen, fünf Wochen du und ich, fünf Wochen Bim fahren, Bezirke und Blunzengröstl. Okay, das mit dem Blunzengröstl war ein Witz, so weit geht meine Zuneigung dann doch nicht, aber Käsekrainer, meine Güte, wie konntest du mir die nur so lange vorenthalten? Käsekrainer schmecken nämlich ein bisschen so, als machten Engel aus Käse heiße, fleischige Liebe auf deiner Zunge. Nur besser. Viel, viel besser. Weiterlesen

Autist*innen auf dem Arbeitsmarkt – Teil 1

Wer mich auf Twitter oder Facebook liest, weiß es schon. Die letzten Wochen brachten viel: Viel Veränderung, viel Stress, viel Neues und viel Gutes. Doch was genau ist eigentlich passiert?

Vor einigen Monaten beschloss ich, meinen Lebensmittelpunkt nach Wien zu verlegen, wusste aber noch nicht recht, wie ich es angehen soll. Da ich dort nicht mehr nur für meinen eigenen Haushalt verantwortlich sein, sondern ihn mit meinem Partner teilen würde, kam die Freiberuflichkeit für mich nicht weiter in Frage. In solch einer Situation verlangt es nach Sicherheit und Zuverlässigkeit; meinen Partner in eine potenziell schwierige Lebenslage zu ziehen, die ich selbst verursache, ist ein schlimmer Gedanke für mich. Mein Sicherheitsbedürfnis und mein Wagemut verhalten sich einfach umgekehrt proportional zueinander. Doch sollten wir weiterhin eine Fernbeziehung leben? Es führte also nichts an einer Festanstellung vorbei. 

Doch mit dieser Erkenntnis eröffneten sich andere Schwierigkeiten. Weiterlesen

Rezension: Umgang mit autistischen Menschen – Ratgeber für Lehrer, Mitschüler und Eltern

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Es gibt zahllose Publikationen voll ethisch fragwürdiger Ratschläge zum Umgang mit autistischen Kindern an pädagogischen Einrichtungen und im Elternhaus. Darum war ich neugierig, aber zugegeben auch voreingenommen, als ich ein Rezensionsexemplar der Broschüre „Umgang mit autistischen Menschen“ des Frischtexte Verlags erhielt.
Es ist mir bewusst, dass es wenig empfehlenswert ist, mit einer negativen Einstellung an einen Text heranzugehen, doch die Masse der defizitär orientierten Veröffentlichungen mit demütigenden, entwürdigenden Vorschlägen zum Umgang mit autistischen Kindern erreicht auch bei mir, dass die Neugier der Furcht weicht. 

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Noch ein Liebesbrief an Wien

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Liebes Wien,

eben stand ich mit meinem Besen auf dem Bürgersteig, denn heute ist ja Sonntag, Kehrwochentag, der nachbarschaftlich gesehen wichtigste Tag der ganzen Woche und ich wollte es mir hier ja nicht gleich schon zu Anfang verscherzen. Und als ich da so stand und gerade loslegen wollte mit meiner Demonstration außerordentlicher Reinlichkeit, gingen die Fenster auf und ich erntete eine Menge wunderlicher Blicke. Hier und da gab es auch Gelächter. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen, Wien. Ich bin ja jetzt bei dir. Nicht nur auf Besuch, nein, so ganz und gar, richtig und vollständig. Mit Topf und Tiegel quasi, mit Buch und Bett. Weiterlesen

“Es tut mir leid, dass ich Sie schon wieder belästige”

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“Es tut mir leid, dass ich Sie schon wieder belästige” ist der erste Satz, den ich nach der Begrüßung am Telefon sage und das, was daraufhin in meinem Kopf passiert, ist neu. Ich meine nicht den Vorgang an sich, denken kann ich schließlich schon eine Weile, auch, wenn es dabei durchaus qualitative Schwankungen zu verzeichnen gibt. Auch nicht das Telefonieren, manchmal muss das einfach sein, egal, wie sehr man es hasst. Unerwartet ist eher das Ergebnis, dieses unangenehme Räuspern meiner inneren Stimme. Die innere Stimme, ihr wisst schon, dieses Ding, das sich immer in den unpassendsten Momenten zu Wort meldet und kräftig herummoralisiert.
Halt, sagt sie, in einer Lautstärke, die anderenorts als unangemessen gelten würde. Halt mal. Was genau tust du hier eigentlich?
“Ich bin nur höflich”, antworte ich meiner inneren Stimme. “Und jetzt Ruhe. Ich muss zu Ende telefonieren.”
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